Besucht einander – solange ihr könnt
Drei neue Gedichte zwischen Trauer, Tiefgang und Maienlaune
Manchmal schreibt das Leben die dringlichsten Verse. Als Klaus Huber vom plötzlichen Tod eines Freundes erfuhr, entstand dieses Gedicht – ein Aufruf, der unter die Haut geht:
Bedürfnis
Bedürfnis ist, an die zu denken,
zu ihnen die Gedanken lenken,
mit denen wir so tief verbunden
in hellen wie auch dunklen Stunden.
Beruhigend kann nunmehr wirken,
dass die Besuche dafür bürgen,
wie wir rechtzeitig einst ermessen,
– wertvoll – sie niemals zu vergessen,
zu Lebzeiten sie aufzusuchen,
Zeit in Gemeinsamkeit zu buchen.
Was weiterhin trägt und befreit,
ist mit ihnen verbrachte Zeit.
Wohin geht die Seele, wenn sie Trost sucht? In den „geistigen Tauchgang" – jene innere Welt, in der Gedanken münden und wir uns zu Hause fühlen:
Geistiger Tauchgang
In die eigene Welt zu tauchen
will beseelen, uns nicht „schlauchen".
Wo Gedanken letztlich münden,
können wir d i e Lande finden,
wo wir uns zu Hause fühlen:
an den tief erstrebten Zielen.
Hieraus tauchen wir im Lauf
unseres Denkens wieder auf.
Und weil das Leben auch leicht sein darf – ein augenzwinkerndes Maigedicht aus der Gedicht-Schatztruhe:
1. Mai
Der erste Mai lockt aus dem Haus.
Da schlagen nicht nur Bäume aus,
nein, auch so manche über Stränge!
Es wär' zu schön, wenn es gelänge,
auf Maientour auch d a s zu sehen,
weshalb wir doch auf Touren gehen!