Klaus Huber: Vom rechten Lesen und dem Schutz der Seele
Zwei neue Gedichte zwischen praktischer Lebensklugheit und tiefer existenzieller Sorge
Die Kraft der Worte zur rechten Zeit
Klaus Huber, der erfahrene Lyriker aus Achern, weiß um die Macht der Texte. Sie können uns rüsten für den Tag oder uns um den Schlaf bringen. In seinem neuen Gedicht „Empfehlung“ gibt er einen wertvollen Rat für den Umgang mit dem, was wir lesen:
Empfehlung
Lies am besten schon am Morgen,
um – gewappnet – deinen Sorgen
rechtzeitig die Stirn zu bieten.
So wird manch’ Unheil vermieden.
Lese möglichst nicht zur Nacht,
wenn ein Text dich schlaflos macht.
Liest du stets zu rechten Zeit,
bist du – klug – hiervon befreit.
Es ist ein Plädoyer für die geistige Hygiene. Das Lesen am Morgen als Rüstzeug für den Tag – ein einfacher, aber wirkungsvoller Schutzmechanismus gegen die Flut der täglichen Sorgen.
Ein Mahnruf gegen die Verrohung
Ganz anders in Ton und Gewichtung ist sein zweites Werk. Hier begibt sich Huber in den Dialog mit einem großen Geist der deutschen Literatur: Reinhold Schneider. Huber greift dessen Mahnung vor der Zerstörung des Lebens auf:
EXISTENZ-ANGST
Reinhold Schneider warnt in Strenge,
dass es Betern nur gelänge,
nur noch jenem Schwert wehren,
welches Leben zu zerstören
vermag, Leben zu bedrohen
unter Menschen, die verrohen.
Die sich ĂĽber alles stellen,
werden wohl in solchen Fällen,
wenn sie Größenwahn erstreben,
dies hoffentlich selbst erleben.
sanftes Pflaster und scharfer Weckruf.
In „EXISTENZ-ANGST“ spricht Huber eine bittere Wahrheit an: die zunehmende Verrohung und den Größenwahn jener, die sich über alle moralischen Instanzen hinwegsetzen. Er verweist auf die Kraft des Geistes als letzte Bastion gegen die Zerstörung.