Thursday, der 23 Juli 2026
 
 

NEWS

Sie befinden sind hier: Startseite > Newsreader_ht24
news

Acht „Hugos" fĂŒr Mittelbaden - die schönsten neuen HĂ€user der Region stehen fest

Neuigkeiten

Regio Ortenau

Löwenstr. 60
77966 Kappel-Grafenhausen
Telefon: 07822-437350
Telefax:
Firmenprofil
Acht „Hugos" fĂŒr Mittelbaden - die schönsten neuen HĂ€user der Region stehen fest

 

Bildnachweis: © Ulrich Coenen

500 Kilometer im Kleinbus, zehn Kilometer zu Fuss bei ĂŒber 30 Grad, 18 GebĂ€ude in zwei Tagen: Die Jury des bedeutendsten Architekturpreises in Baden-WĂŒrttemberg hat Mittelbaden bereist, und acht Bauwerke gefunden, die sie ĂŒberzeugt haben. Wir stellen Ihnen die Gewinner vor.

Lesezeit: ca. 7 Minuten

15.07.2026, Ortenaukreis, apg. Konzentrierte Blicke auf die Notebooks und eine leuchtende Leinwand: Im Gemeindesaal der evangelischen Kirchengemeinde in Kehl flimmern Grundrisse, Fassaden und InnenrĂ€ume vorbei. Die Fachjury des Bundes Deutscher Architektinnen und Architekten (BDA) hat eine anspruchsvolle Aufgabe: Sie soll die besten und innovativsten GebĂ€ude in Mittelbaden finden. Die Flut an digitalen Einreichungen fĂŒr den begehrten Hugo-HĂ€ring-Preis ist so gross, dass es schlicht unmöglich ist, alle Objekte in den zwei angesetzten Tagen real zu besichtigen. Also muss vorausgewĂ€hlt werden, und dann geht es auf die Strasse.

Ergebnis: Acht Mal vergab das Preisgericht die begehrte Hugo-HÀring-Auszeichnung. Drei weniger als beim letzten Mal vor drei Jahren, als in Mittelbaden elf GebÀude prÀmiert wurden. Die Jury erwies sich als streng. Aber was ausgezeichnet wurde, zeigt eindeutig neue Trends im Bauen auf.

Kehl als Gastgeber, und ein Juror mit Ortskenntnissen

Gastgeber der Jurysitzung war Kehls BaubĂŒrgermeister Thomas Wuttke, selbst gelernter Architekt, der vom BDA in das fĂŒnfköpfige Preisgericht berufen wurde. „Ich fand es sehr interessant, die verschiedenen Lösungen zu sehen, die Architekten fĂŒr verschiedene Aufgaben gefunden haben“, sagte er nach der Auswahl. Neben Wuttke gehörten dem Preisgericht drei weitere Architekten und ein Fachjournalist an: Brigitte HĂ€ntsch aus Berlin, emeritierte Professorin fĂŒr Baukonstruktion an der UniversitĂ€t Kassel, Berthold Jungblut aus Köln sowie Simon Joa, Vorsitzender der Kammergruppe Karlsruhe-Stadt der Architektenkammer Baden-WĂŒrttemberg. Das Preisgericht wĂ€hlte Joa zu seinem Vorsitzenden.

500 Kilometer in zwei Tagen

Die BDA-Kreisgruppe Baden-Baden/Rastatt/Ortenau gehört flĂ€chenmĂ€ssig zu den grössten in Deutschland. Das stellte die Jury vor erhebliche logistische Herausforderungen. Nach einer dreistĂŒndigen Diskussion, in der alle Einreichungen ausfĂŒhrlich an der Leinwand debattiert wurden, stand das Pensum fest: 18 GebĂ€ude mussten besichtigt werden.

Damit das in zwei Tagen ĂŒberhaupt zu schaffen war, ĂŒbernahmen Veronika Grimm, stellvertretende Vorsitzende der BDA-Kreisgruppe, und Tobias Hylla, ein weiteres Vorstandsmitglied, die Reiseleitung. Ihre wichtigste Aufgabe: eine optimale Route fĂŒr die beiden Exkursionstage, um keine wertvolle Zeit durch doppelte Wege zu verlieren. Architekten und Bauherren der 18 GebĂ€ude mussten kurzfristig angerufen werden und es mussten exakte Zeitpunkte fĂŒr die Besichtigungen ausgemacht werden. Dass am Ende alles wie am SchnĂŒrchen lief, ist primĂ€r den beiden zu verdanken, inklusive kĂŒhler GetrĂ€nke und belegter Brote im klimatisierten Kleinbus. Bei tropischen Temperaturen von deutlich ĂŒber 30 Grad war das kein Luxus, sondern Überlebensstrategie.

Nackte Zahlen verdeutlichen das Pensum: Nach zwei Tagen Rundfahrt zeigte der TageskilometerzĂ€hler des Kleinbusses knapp 500 Kilometer an. Die Fitness-App eines Jurors meldete stolze zehn Kilometer, ausschliesslich in und um die nominierten GebĂ€ude herum zurĂŒckgelegt.

Die acht PreistrĂ€ger im Überblick

Juryvorsitzender Simon Joa zog ein positives Fazit: „Wir haben ein sehr breites Spektrum hochwertiger BeitrĂ€ge kennengelernt. Der lĂ€ndliche Raum bietet viele Chancen, eine hochwertige und nachhaltige Architektur zu entwickeln.“ Alle Entscheidungen fielen einstimmig. Hier sind die acht Gewinner:

Neubau Haus L, Fachklinik Haus Renchtal, Renchen. Die Fachklinik am Stadtrand von Renchen hat ein neues Bettenhaus erhalten, geplant von der Arbeitsgemeinschaft Haferkamp Kramer Wilkening Architekten und Lehmann Architekten aus Offenburg. Bauherr ist der Baden-WĂŒrttembergische Landesverband fĂŒr PrĂ€vention und Rehabilitation. Der Neubau fĂŒgt sich in die Hanglage ein und verbindet therapeutische Anforderungen mit einer Architektur, die den Bewohnern WĂŒrde und Raum gibt. Das GebĂ€ude beeindruckt mit seiner horizontalen Gliederung, den umlaufenden Balkonen und einer Fassade aus hellen Holzlamellen, die in der grĂŒnen Umgebung eine einladende AtmosphĂ€re schafft.

KindertagesstĂ€tte Blumenau, Renchen. Architekt Philipp Boos aus Renchen hat fĂŒr die Stadt eine KindertagesstĂ€tte entworfen, die im Februar 2025 eingeweiht wurde. Der Holzbau mit WĂ€rmepumpe, Photovoltaikanlage und Regenwasserzisterne bietet Platz fĂŒr vier Gruppen, erweiterbar auf sechs. 1.800 Quadratmeter SpielflĂ€che im Aussenbereich laden zum Entdecken ein. Ein Projekt, bei dem Nachhaltigkeit und Kinderfreundlichkeit Hand in Hand gehen.

Mietwohnungsbau 2 im Seidenfaden, Offenburg. Lehmann Architekten aus Offenburg haben fĂŒr die Wohnbau Offenburg im Neubaugebiet Seidenfaden Mietwohnungen realisiert. Bezahlbarer Wohnraum mit gestalterischem Anspruch, ein Thema, das in der gesamten Ortenau drĂ€ngend ist.

Werk 3 der NEUGART GmbH, Kippenheim. Die Leipziger W&V Architekten haben fĂŒr den weltweit tĂ€tigen Getriebehersteller Neugart eine Produktionshalle entworfen, die im MĂ€rz 2025 eröffnet wurde. Über 25 Millionen Euro Investition, mehr als 7.000 Quadratmeter NutzflĂ€che, und der Beweis, dass auch Industriearchitektur preiswĂŒrdig sein kann. Die Architektenkammer Baden-WĂŒrttemberg hatte das GebĂ€ude bereits in ihre Datenbank „Beispielhaftes Bauen“ aufgenommen.

Wohnen und Arbeiten unter einem Dach, Nordrach. Architekt Michael Welle hat in seinem Heimatort Nordrach ein Haus fĂŒr sich und seine Familie gebaut, und gleichzeitig sein ArchitekturbĂŒro darin untergebracht. Das Holzhaus mit seiner markanten dunklen Fassade aus vertikal angeordneten Holzlatten und dem mit Photovoltaik belegten Pultdach fĂŒgt sich in die Schwarzwaldlandschaft ein wie selbstverstĂ€ndlich. Die F.A.Z. widmete dem „fĂŒnfeckigen Schwarzwaldhaus“ im Februar 2026 ein ausfĂŒhrliches PortrĂ€t. Im Inneren ĂŒberrascht ein offenes Raumkonzept mit Empore, sichtbaren Holzbalken und einer KĂŒche als Mittelpunkt des Familienlebens. FĂŒr die Jury stand das Haus, das Welle gemeinsam mit Isabelle MĂŒller als Bauherrin realisierte, exemplarisch fĂŒr den Trend zum nachhaltigen Bauen im lĂ€ndlichen Raum.

SCHWARZ Waldhaus, Wolfach. Röing genannt Nölke Architekten aus MĂŒnster haben in Wolfach fĂŒr einen privaten Bauherrn ein Waldhaus entworfen. Details werden nach Veröffentlichung der Architekturkritik folgen.

Erweiterung der Franz-Rapp-Schule, Oppenau. Lehmann Architekten aus Offenburg, in diesem Jahrgang gleich dreimal unter den PreistrĂ€gern, haben fĂŒr die Stadt Oppenau die Schule erweitert. Das Offenburger BĂŒro hatte den Zuschlag fĂŒr ein i-förmiges Erweiterungsmodell erhalten, das sich behutsam in den Bestand einfĂŒgt.

Feuerwehrhaus mit DRK, Iffezheim. Bernd Zimmermann Architekten aus Ludwigsburg haben nach einem gewonnenen Architekturwettbewerb 2019 das neue Feuerwehrhaus mit integrierter DRK-Leitstelle fĂŒr die Gemeinde Iffezheim geplant. Das 2024 fertiggestellte GebĂ€ude nimmt die Form des GrundstĂŒcks auf und ĂŒbersetzt sie in einen kompakten, zweigeschossigen Baukörper. Ein funktionaler Bau fĂŒr den Ernstfall, und gleichzeitig ein architektonisches Ausrufezeichen.

Lehmann Architekten: Dreimal prÀmiert

AuffĂ€llig in diesem Jahrgang: Das Offenburger BĂŒro Lehmann Architekten, geleitet von Gunnar Lehmann, der gleichzeitig Kreisvorsitzender des BDA ist, erhielt gleich drei Auszeichnungen: fĂŒr die Fachklinik in Renchen (in Arbeitsgemeinschaft), den Mietwohnungsbau im Seidenfaden und die Schulerweiterung in Oppenau. Lehmann selbst hatte bei der Auslobung im April betont: „Das Verfahren ist ein strenger Gradmesser fĂŒr die QualitĂ€t der aktuellen regionalen Planungs- und BautĂ€tigkeit. Eine Auszeichnung versteht sich als besondere Anerkennung fĂŒr einen wertvollen Beitrag zur Baukultur als öffentlichem Gut.“ Dass sein eigenes BĂŒro diesen Gradmesser gleich dreimal besteht, spricht fĂŒr sich.

Was die Preise verraten: Holz, Nachhaltigkeit, lÀndlicher Raum

Wer die acht PreistrĂ€ger nebeneinanderlegt, erkennt Muster. Holzbau ist kein Nischenthema mehr, sondern Mainstream: Die Kita in Renchen, das Wohnhaus in Nordrach, das Waldhaus in Wolfach, Holz als Baustoff zieht sich durch die Auszeichnungen. Photovoltaik und nachhaltige Energiekonzepte sind keine Zugabe mehr, sondern selbstverstĂ€ndlich. Und der lĂ€ndliche Raum, von Nordrach ĂŒber Wolfach bis Iffezheim, beweist, dass architektonische QualitĂ€t keine Frage des Standorts ist.

Der Hugo-HĂ€ring-Preis, benannt nach dem in Biberach an der Riss geborenen Architekten und Theoretiker des Neuen Bauens Hugo HĂ€ring (1882-1958), wird seit 1969 alle drei Jahre vergeben. In der ersten Stufe zeichnen die 15 Kreisgruppen in Baden-WĂŒrttemberg die besten Bauten ihrer Region aus, der „kleine Hugo“. Die PreistrĂ€ger auf Kreisebene nehmen anschliessend am Landesentscheid um den Hugo-HĂ€ring-Landespreis teil, den „grossen Hugo“. FĂŒr die acht mittelbadischen Gewinner geht die Reise also weiter.

Wie geht es weiter?

In den kommenden Wochen wird Dr. Ulrich Coenen, der als Fachjournalist und Lehrbeauftragter an der Professur fĂŒr Stadtquartiersplanung am KIT beide Perspektiven verbindet, zu jedem Gewinnerprojekt eine ausfĂŒhrliche Architekturkritik veröffentlichen. Wir werden diese auf www.regio-ortenau.de fĂŒr Sie begleiten.

Sie kennen eines der ausgezeichneten GebÀude? Oder haben Sie ein anderes Bauwerk in der Ortenau entdeckt, das Sie architektonisch beeindruckt? Schreiben Sie uns, wir freuen uns auf Ihre Entdeckungen!

Kurz zusammengefasste FAQ

Was ist die Hugo-HĂ€ring-Auszeichnung?

Der Architekturpreis des Bundes Deutscher Architektinnen und Architekten (BDA) in Baden-WĂŒrttemberg. Er wird seit 1969 alle drei Jahre vergeben. Zuerst zeichnen die 15 Kreisgruppen die besten Bauten ihrer Region aus („kleiner Hugo“), danach folgt der Landesentscheid („grosser Hugo“).


Wie viele GebÀude wurden 2026 in Mittelbaden ausgezeichnet?

Acht. Vor drei Jahren waren es noch elf. Alle Entscheidungen fielen einstimmig.


Wer sass in der Jury?

Ein fĂŒnfköpfiges Preisgericht: Simon Joa (Vorsitz), Thomas Wuttke (BaubĂŒrgermeister Kehl), Brigitte HĂ€ntsch (Berlin), Berthold Jungblut (Köln) und ein Fachjournalist.


Welches BĂŒro war am erfolgreichsten?

Lehmann Architekten aus Offenburg mit drei Auszeichnungen: Fachklinik Renchen (in Arbeitsgemeinschaft), Mietwohnungsbau Seidenfaden und Schulerweiterung Oppenau.


Welche Trends zeigen die PreistrÀger?

Holzbau, Photovoltaik und nachhaltige Energiekonzepte, und starke architektonische QualitÀt im lÀndlichen Raum.

Quelle: Dr. Ulrich Coenen (Reportage) / Redaktion: Andreas Peter Geng [apg] | Fotos: Ulrich Coenen