W enn das AutorenNetzwerk Ortenau-Elsass® mit seinen literarisch-musikalischen Abendprogrammen auftritt, erlebt man ein buntes Autoren- und Musiker-Völkchen aus waschechten Badenern, längst schon tief im Badenerland verwurzelten „Neig’schmeckten“ aus allen Ecken Deutschlands – und Elsässern, deren Elsässerditsch die gemeinsamen alemannischen Sprachwurzeln diesseits und jenseits des Rheins beweist. Besonders gern trifft man sich im Sasbachwaldener Holzwurm, dessen Wirtin Sylvia Kreutzer und ihr Team dem literarisch-musikalischen Ohrenschmaus den Gaumenschmaus nicht nachstehen lassen.
Am Abend durfte sich das Publikum auf eine doppelte Premiere freuen: auf den ersten echten Fasent-Abend des seit nunmehr 13 Jahren bestehenden AutorenNetzwerks – und auf den ersten gemeinsamen Auftritt mit einer Gruppe der elsässischen bi-lingualen Autoren und Liedermacher. Mit ihnen ist das AutorenNetzwerk seit dem Herbst 2025 über den Literatur-Verein SELAB, die René-Schickele-Gesellschaft und den Verein Deutscher Sprache partnerschaftlich verbunden.
Schon im geselligen Vorfeld baute sich die bei den Holzwurm-Abenden des AutorenNetzwerks typische, mitreißend gute Laune im Publikum auf – und ging nahtlos über in spontan mitgesungene Lumpeliedle des Folklore-Duos „De Hons un de Fronz“. Im blau-weiß gestreiften „Buregewand“ mit rot-weißem Halstuch und schwarzer Baskenmütze kennt man den Tenor und virtuosen Akkordeonisten Franz Schmälzle und den Gitarristen Hans Allgöwer mit dem vollen Bariton. Vielen sind die zwei noch von ihrer Zeit als Mitglieder der „Hundsbeschler“ in Erinnerung: Im Inland sowie in den USA, Japan, Italien und Frankreich waren sie unterwegs – und auch heute dauerte es nicht lange, bis „Liedle us alde Zitte“ das Publikum mitrissen.
Für Rainer Domfeld, von Karin Jäckel als „Fasent-Urgestein aus Berghaupten“ angekündigt, war der Boden damit bestens bereitet. Seine Büttenrede über den „Huusball im Holzwurm“ mischte die verbale Polonaise deftig auf – und hatte die Lacher schnell auf ihrer Seite.
Auch Hans Weide, vor Jahren Ortsvorsteher im einstigen Ottenheim, kam gut an. Dem Autor des auch als Theaterstück bekannten Romans „Rote Sonne – Dunkle Nacht“ blitzte das Vergnügen aus den Augen, als er aus seinem jüngsten Werk „Der Ortsvorsteher“ über den Streich las, den ein paar Lausbuben dem Pfarrer gespielt hatten: Ein Baugerüst am Turm nutzend, wickelten sie die Schwengel der Kirchenglocken mit Stroh um und stellten sie stumm. Der gefoppte Pfarrer hatte das Schmunzeln der Gemeinde gewiss – und auch das des Ortsvorstehers, der beim Frühstück aus der Zeitung von der Sache erfuhr und, nicht ahnend, dass er einem der Missetäter gegenübersaß, das Schelmenstück ausdrücklich lobte.
In Erinnerungen schwelgte das Publikum auch mit Ludwig Hillenbrand, der aus seinem Buch „E Kindheit im Dorf“ die Fasent der frühen 50er Jahre lebendig werden ließ. Als Gastwirtssohn hatte er die Fasent in der einstigen „Traube“ in Fessenbach miterlebt: Vollbesetzt bis in den kleinsten Winkel ging es hoch her; wenn möglich spielte ein „Handorgler“ mit „sinere Quetschkumood“ zum Tanz auf, andernfalls tat es auch ein Plattenspieler. Zum „Luschdig-si“ reichten „e baar Girlande“ als Dekoration und „Binsemadde als Knutschecke“. Schon war der „Huusball“ vorbereitet – und „d’ Wirtschaft isch knuddelvoll gsiin“.
Für „a fetzige Stimmung“ brauchte es auch im Holzwurm nicht mehr als die Überraschungseinlage der elsässischen Liedermacher: „Nimm a alter Rock un e krummer Stock, wie e Hex siegsch üss, mach di üss’m Hüs!“ sangen Martine Beyer (Akk.) und Bernard Freudenreich (Git.), die erst tags zuvor erfahren hatten, dass sie etwas Musikalisches zur Fásenácht beitragen sollten. Und wer den Liedermacher Richard (Ric) Metz und seine rockig-poppige, folk-inspirierte Musik noch nicht kannte, wird ihn nach seinem Holzwurm-Debüt nicht so schnell vergessen: Zwei Stunden Abendprogramm waren angesagt – drei verflogen viel zu schnell.
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