Eine Geschichte über Schlafmythen, Erschöpfung und eine Hebamme, die nachts um drei die richtigen Worte findet.
3:17 Uhr. Nina sass im Halbdunkel, den kleinen Theo an der Brust, und tippte mit einer Hand in ihr Handy: „Baby 4 Monate schläft nicht durch." 1,2 Millionen Ergebnisse. Schlaftraining. Ferbern. Schreien lassen. Bloss nicht schreien lassen. Jeder wusste es besser. Nur Nina wusste gar nichts mehr.
Am nächsten Tag bei Nadja brach es aus ihr heraus. „Alle anderen Babys schlafen durch. Nur meins nicht. Was mache ich falsch?"
Nadja schenkte ihr einen Tee ein und liess sie erst mal weinen. Dann sagte sie ruhig: „Nina, Dein Baby schläft nicht falsch. Es schläft wie ein Baby."
„Aber Lisa sagt, ihr Tom schläft seit der achten Woche..."
„Durchschlafen heisst bei einem Säugling fünf, vielleicht sechs Stunden am Stück. Nicht acht, nicht zwölf. Und selbst das schaffen die wenigsten mit vier Monaten. Das ist kein Defizit - das ist Natur."
Nadja nahm sich Zeit zu erklären: „Dein Baby macht gerade einen riesigen Entwicklungssprung. Sein Gehirn verarbeitet nachts, was es tagsüber erlebt hat. Sein Magen ist noch klein und braucht regelmässig Nahrung. Und dass es aufwacht und nach Dir ruft, ist kein Fehler - es ist ein Schutzmechanismus, den die Natur sich sehr weise ausgedacht hat."
Sie legte ihre Hand auf Ninas Arm. „Ein Baby, das nachts nach seiner Mutter sucht, ist ein Baby, das vertraut. Das ist etwas Schönes, auch wenn es sich um drei Uhr morgens nicht so anfühlt."
„Das eigentliche Problem", sagte Nadja, „sind nicht die Kinder. Es sind die Erwartungen, die wir an sie haben. Eine ganze Industrie verdient daran, dass Eltern glauben, ihr Baby müsse funktionieren wie ein Uhrwerk. Aber Babys sind keine Uhren. Sie sind kleine Menschen, die ankommen in dieser Welt."
Kein Schlafprogramm rettete Nina. Es war ein Perspektivwechsel.
Nadja riet ihr: „Hör auf zu kämpfen gegen seinen Rhythmus. Geh abends früher ins Bett. Leg Dich tagsüber hin, wenn Theo schläft. Lass den Haushalt Haushalt sein. Und bitte Deinen Mann und Deine Mutter um Hilfe - nicht weil Du schwach bist, sondern weil Du klug bist."
Theo schlief immer noch nicht „durch" - jedenfalls nicht nach der Definition der Ratgeber. Aber die Strecken wurden länger. Und Nina hatte aufgehört, sich zu schämen.
„Weisst Du, was das Beste war?", erzählte sie einer Freundin. „Als ich aufgehört habe zu googeln und angefangen habe, meinem Kind zuzuhören."
Liegst Du auch nachts wach und fragst Dich, was Du falsch machst? Vermutlich nichts. Dein Baby entwickelt sich. Sprich mit Deiner Hebamme statt mit Google. Und sei gnädig mit Dir - diese Phase geht vorbei.
Müssen Babys mit vier Monaten durchschlafen?
Nein. Durchschlafen bedeutet bei einem Säugling fünf bis sechs Stunden am Stück - nicht acht oder zwölf. Das schaffen die wenigsten Babys mit vier Monaten. Es ist kein Defizit, sondern normal.
Warum wacht mein Baby nachts immer wieder auf?
Das Gehirn des Babys verarbeitet nachts die Eindrücke des Tages, der Magen ist noch klein und braucht regelmässig Nahrung, und das nächtliche Rufen ist ein natürlicher Schutzmechanismus - kein Fehler.
Ist Schlaftraining mit Schreien lassen empfehlenswert?
Hebamme Nadja rät davon ab: Schlaftraining, bei dem ein Baby alleine weinen gelassen wird, kann die Bindung beeinträchtigen. Ein Baby, das nach seiner Mutter ruft, sucht Vertrauen - nicht Schlaftraining.
Was hilft erschöpften Müttern wirklich?
Nicht gegen den Rhythmus des Babys ankämpfen, abends früher ins Bett gehen, tagsüber schlafen wenn das Baby schläft, den Haushalt loslassen und aktiv um Hilfe bitten - bei Partner, Familie oder der Hebamme.
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