Klaus Huber wird 80 – und die Gedichte hören nicht auf
„Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne" – Ein Geburtstagsgruß für den Lyriker vom Dachsbuckel
Hermann Hesse, dem Klaus Huber seit Jahrzehnten verbunden ist, hat es in seinem berühmtesten Gedicht auf den Punkt gebracht: „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben." Ein 80. Geburtstag ist kein Abschied. Er ist ein Anfang. Eine neue Stufe.
Wer Klaus Huber kennt, weiß: Der Mann vom Dachsbuckel denkt nicht ans Aufhören. Er denkt ans nächste Gedicht. Und das nächste. Und das übernächste. Fast täglich steigt er in seinen Schreibgiebel hinauf, setzt sich an den kleinen Schreibtisch und lässt seinen Gedanken freien Lauf. Dann schickt er eine E-Mail mit dem Betreff „NEU !!" – und ein neues Werk ist in der Welt.
In den Tagen vor seinem Geburtstag sind gleich vier neue Gedichte entstanden. Sie zeigen, wie wach dieser Geist ist, wie scharf der Blick, wie warm das Herz.
Sich wehren – mit Würde
Wer acht Jahrzehnte gelebt hat, weiß, dass Güte keine Schwäche sein darf. In „Selbst-Wehr" beschreibt Huber die Erfahrung, die jeden Gutmütigen irgendwann ereilt:
Selbst-Wehr
Es kommt plötzlich an manchen Tagen,
dass uns WĂĽnsche von andern plagen,
um sie spontan gleich umzusetzen.
Im MĂĽhen, niemand zu verletzen,
versuchen wir, sie zu erfĂĽllen
nach deren Forderung und Willen,
was diese nun uns abverlangen.
Es drängt uns, reifend anzufangen,
sich – wappnend – hiervor zu beschützen,
dass andere zu gerne nĂĽtzen,
was wir zu willig nur gewähren,
um keinen Unmut zu gebären.
Solche Erfahrung macht auf Dauer
uns bei Anfragen immer schlauer.
Wer alles tut, was jemand will,
wird statt der Antwort mutig, still
und widerstrebt mit aller Macht
dem, was man sich hierbei gedacht.
Die höchste Lebenskunst
Was ist die größte Kunst mit 80? Zufriedenheit – aber keine blinde. Huber mahnt, den Mut nicht zu verlieren, das Ungerechte beim Namen zu nennen:
Höchste Lebenskunst
Die größte Kunst in dieser Zeit
ist möglichste Zufriedenheit.
Wer – zwar begründet – aufbegehrt,
bedenke hierbei auch vermehrt,
dass es so manchen schlechter geht,
fĂĽr die Hoffnung kaum noch besteht.
Dies heiĂźt nicht ducken, doch mit Mut
das klar zu nennen, was nicht gut
erscheint fĂĽr die Gerechtigkeit
im Leben aller weit und breit.
Wenn die Hitze zum Gedicht wird
Selbst die Sommerhitze bringt Klaus Huber nicht zum Schweigen – im Gegenteil:
Hitze-Folgen
Hitze lähmt im Grund fast jeden,
verhindert nun Aktivitäten,
um in Schatten zu entfliehen,
sich der Hitze zu entziehen.
Wer nun werkt – ohne Verstand –
erscheint wahrlich „hirn-verbrannt"!
Vorsorge – Am Vorabend des Geburtstags
Das jĂĽngste Gedicht, geschrieben am Vorabend seines 80. Geburtstags. Sechs Zeilen, die ein ganzes Leben verdichten:
Vorsorge
In des Sommers heiĂźer Glut
reift heran, was einst so gut
fĂĽr den Herbst, den Winter ist.
Reifen hat so seine Frist,
nach der es uns das ersetzt,
was man nun erst richtig schätzt.
Geschrieben am Abend vor dem großen Tag – und doch kein Wort vom Geburtstag selbst. So ist Klaus Huber: Er schreibt über das Reifen, nicht über das Feiern. Über die Frucht, nicht über den Applaus. Das Reifen hat seine Frist – und was dabei herauskommt, schätzt man erst richtig, wenn die Zeit gekommen ist.
Herzlichen GlĂĽckwunsch, Klaus Huber!
80 Jahre Leben. 80 Jahre Beobachten. 80 Jahre Dichten.
Ein Lebenswerk, das nicht endet – sondern reift.
Im Geiste von Hermann Hesse:
„Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
an keinem wie an einer Heimat hängen,
der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten."
Nach wie vor tritt Klaus Huber zu den unterschiedlichsten Anlässen auf und trägt seine individuelle Poesie vor – ob beim Wetterfahnenmacher in Holzhausen, bei privaten Feiern oder vor Freunden am Dachsbuckel. Der Schreibgiebel bleibt sein Refugium, die Worte bleiben sein Werkzeug, die Menschen bleiben sein Publikum.
Alles Gute, Klaus. Auf die nächste Stufe!