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Glocke, Harfe und eine Stimme, die den Raum beherrschte

Die zweite „Blaue Stunde

AutorenNetzwerk Ortenau-Elsass®

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Glocke, Harfe und eine Stimme, die den Raum beherrschte

 

Glocke, Harfe und eine Stimme, die den Raum beherrschte

Die zweite „Blaue Stunde" im Acherner Klauskirchl war wieder ausverkauft – Viola de Galgóczy und Ulrich Steurer begeisterten mit Musik aus fünf Jahrhunderten.

Wenn Walter Klein die Glocke des Acherner Klauskirchls läutet, weiß das Publikum: Jetzt beginnt etwas Besonderes. Zu Beginn und am Ende der zweiten „Blauen Stunde" des AutorenNetzwerks Ortenau-Elsass® rief das kleine Geläut der historischen Nothelferkapelle die Gäste zur Stille – und die kamen bereitwillig. Auch bei dieser zweiten Auflage der kleinen Kulturserie war das Klauskirchl in der Acherner Hauptstraße bis auf den letzten Platz besetzt.

Den Abend gestalteten Viola de Galgóczy und ihr Lebensbegleiter Ulrich Steurer – ein Duo aus Lahr, das sich mit stiller Selbstverständlichkeit in den schlichten Raum einfügte. Viola de Galgóczy ist Sängerin, Musikpädagogin, Kunstmalerin und Autorin in einem; seit Kurzem im Ruhestand, doch von Ruhe keine Spur. Ihr Mezzosopran – voluminös in den Tiefen, strahlend in den Höhen – beherrschte den Raum mit einer Leichtigkeit, die das Publikum sichtlich in Bann zog. Ulrich Steurer begleitete sie an Oboe und verschiedenen Blockflöten und wechselte dabei so geschmeidig zwischen den Instrumenten, als wäre es das Natürlichste der Welt.

Das Programm spannte einen weiten Bogen durch die Musikgeschichte: von John Dowlands „Now, o now" aus der elisabethanischen Zeit – der berühmte Lautenist spielte einst für Königin Elisabeth – über das altfranzösische Volkslied „Rossignol du bois" und Giovanni Battista Bassanis geistliche Motette „Nascere" bis hin zu eigenen Kompositionen von Viola de Galgóczy. Zwischendurch erklang auch die Keltische Harfe, auf der die Künstlerin in eine ganz eigene Klangwelt entführte. Dazu las sie aus ihren fantasievollen Romanen aus der „Anderwelt" Melandriens – kurze Passagen nur, die dennoch erahnten ließen, wie weit diese literarische Welt reicht.

Auch ein stiller Gast hatte sich eingefunden: die betagte Hündin des Künstlerpaares, die es sich in ihrem Körbchen unter dem beiseite gerückten Altartisch bequem gemacht hatte und fortan keinen Mucks von sich gab – ganz im Sinne des Abends.

Die Reaktionen des Publikums sprachen für sich. „Ich hätte noch Stunden zuhören können", war ebenso zu hören wie: „Diese Stimme! Einmalig schön!" Das alte Gemäuer schien an diesem Septemberabend seine Bestimmung neu gefunden zu haben – als Ort, an dem Alltagspause kein leeres Versprechen ist.

Nächste Blaue Stunde: Mittwoch, 14. Oktober 2026, 18 bis 19 Uhr, Klauskirchl Achern, Hauptstr. 11. Eintritt 7 Euro. Reservierung empfohlen: www.autorennetzwerk-ortenau.de

Fotos: Peter Bergmann & Dr. Karin Jäckel