Foto apg/KI: Bürokratie-Stopp für den Nachwuchs: Undurchsichtige Reformpläne und steigende Kosten wirken wie eine rote Ampel für die Mobilität der jungen Generation in der Ortenau.
Fahrschulen in der Ortenau zwischen Reformankündigungen und wirtschaftlicher Unsicherheit
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Kappel-Grafenhausen, Februar 2026, apg. Der Führerschein kostet heute durchschnittlich zwischen 2.700 und 3.400 € – für viele junge Menschen eine enorme finanzielle Hürde. Wer regelmäßig lernt und die Theorieprüfung beim ersten oder zweiten Versuch besteht, liegt am unteren Ende dieser Spanne. Doch die Praxis zeigt: Viele lassen es gerade bei der Theorie schleifen, was sich dann deutlich auf die Gesamtkosten auswirkt.
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) hat nun Reformpläne vorgestellt, die alles günstiger machen sollen: weniger Pflichtstunden, Online-Theorieunterricht und sogar Fahrstunden mit Familienangehörigen. Doch die Fahrschulen schlagen Alarm. Sie sehen nicht nur ihre Existenz bedroht, sondern auch die Verkehrssicherheit in Gefahr. Ein Blick auf die Debatte – mit einer Stimme aus der Ortenau.
Die Eckpunkte der geplanten Führerschein-Reform klingen auf den ersten Blick verlockend: Die Zahl der Pflicht-Sonderfahrten soll von zwölf auf drei reduziert werden – je eine Nachtfahrt, Autobahnfahrt und Überlandfahrt. Der Fragenkatalog für die Theorieprüfung wird von 1.169 auf etwa 840 Fragen zusammengestrichen. Die praktische Prüfung soll auf 25 Minuten Fahrzeit verkürzt werden. Und: Der Theorieunterricht darf künftig komplett online stattfinden.
Besonders kontrovers ist die sogenannte „Laienausbildung": Fahrschüler sollen nach bestandener Theorieprüfung und mindestens sechs Pflichtstunden mit erfahrenen Familienangehörigen oder Freunden im Auto Fahrpraxis sammeln können – dokumentiert über ein Fahrtenbuch mit mindestens 1.000 Kilometern. Als Begleitperson kommen nur Personen infrage, die seit mindestens fünf Jahren den Führerschein besitzen und maximal einen Punkt in Flensburg haben.
Bereits seit Juni 2025, als Minister Schnieder erste Reformankündigungen machte, erleben Fahrschulen bundesweit einen dramatischen Rückgang der Neuanmeldungen. Das Phänomen hat einen Namen bekommen: der „Schnieder-Effekt". In manchen Regionen sind die Anmeldezahlen um mehr als 70 Prozent eingebrochen. Potenzielle Fahrschüler warten ab, ob der Führerschein bald günstiger wird.
Mario Lo Conte, Inhaber einer Fahrschule im Ortenaukreis mit 26 Jahren Erfahrung in der Branche, beobachtet diese Entwicklung mit Sorge und Unverständnis: „Die Preisgestaltung liegt nicht allein im Ermessen der Fahrschulen, sondern wird maßgeblich durch gesetzliche Vorgaben und staatliche Regelungen beeinflusst. Die Fahrschulen setzen lediglich die Vorschriften um, die von der Regierung beschlossen wurden."
Die aktuellen Zahlen des TÜV-Verbands sprechen eine deutliche Sprache: Im Jahr 2025 fielen 44 Prozent aller Fahrschüler durch die theoretische Prüfung, 37 Prozent scheiterten am praktischen Teil. Vor zehn Jahren lagen diese Quoten noch deutlich niedriger.
Minister Schnieder argumentiert, dass genau diese hohen Durchfallquoten – die zu zusätzlichen Kosten führen – durch eine Reform gesenkt werden könnten. Kritiker halten dagegen: Eine Vereinfachung der Prüfung senkt nicht automatisch die Kosten, sondern möglicherweise nur das Niveau der Ausbildung.
Mario Lo Conte weist auf einen weiteren Faktor hin, der in der politischen Debatte kaum thematisiert wird: „Ein großer möglicher Faktor für die steigenden Durchfallquoten ist der wachsende Anteil von Fahrschülern aus Drittländern. Viele kommen aus Verkehrssystemen, die sich deutlich vom deutschen unterscheiden. Das deutsche Straßenverkehrssystem gilt als komplex – Regelungen wie ‚Rechts vor Links‘, das konsequente Anhalten an Stoppschildern oder die Vielzahl an Verkehrszeichen sind bei vielen Verkehrsteilnehmern aus anderen Ländern nicht eindeutig verständlich.“
Diese Beobachtung wird durch Studien gestützt: Prüfungen, die nicht auf Deutsch abgelegt werden, weisen eine Durchfallquote von über 50 Prozent auf. Allerdings liegt dies nicht nur an sprachlichen Barrieren, sondern auch an unterschiedlichen Verkehrskulturen und teilweise mangelhaften Lernmaterialien in Fremdsprachen.
Die Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände (BVF) hat mit scharfer Kritik auf die Reformpläne reagiert. Die Verbände bemängeln, dass die Vorschläge an der Wirklichkeit vorbeigehen und kein echtes Einsparpotenzial bieten.
Mario Lo Conte formuliert es deutlich: „Es ist widersprüchlich, wenn nun argumentiert wird, dass bei einer Reduzierung der Fahrstunden die Qualität der Ausbildung und die Sicherheit im Straßenverkehr nicht beeinträchtigt würden. Eine fundierte und sichere Ausbildung erfordert ausreichend praktische Fahrpraxis – jede Kürzung muss daher sorgfältig geprüft werden.“
Besonders kritisch sehen die Fahrlehrer den geplanten Online-Theorieunterricht. Lo Conte erinnert an die Erfahrungen während der Corona-Pandemie: „Den Unterricht nur online anzubieten, ist die falsche Wahl. Wie war es denn zu Corona-Zeiten? Darüber sollte jeder mal ehrlich nachdenken.“
Nicht alle Aspekte der geplanten Reform stoßen auf Ablehnung. Die Überarbeitung des Fragenkatalogs für die Theorieprüfung wird von vielen Fachleuten grundsätzlich begrüßt. „Die geplanten Reformen im Führerscheinbereich sind prinzipiell zu begrüßen“, räumt auch Mario Lo Conte ein. „Es ist sinnvoll, die theoretische Prüfung zu überarbeiten und insbesondere die Fragen verständlicher und praxisnäher zu gestalten.“
Auch die strenge Fehlergrenze bei der Theorieprüfung wird hinterfragt: „Derzeit führt bereits eine geringe Anzahl von Fehlerpunkten dazu, dass Prüflinge durchfallen. In vielen anderen Weiterbildungen und Prüfungsformaten gilt eine Bestehensgrenze von etwa 65 bis 70 Prozent. Im Vergleich dazu erscheint die Regelung bei der Führerschein-Theorieprüfung sehr streng.“
Ein weiterer Reformpunkt sieht vor, dass Fahrschulen ihre Preise künftig in einem zentralen Register melden müssen – für mehr Vergleichbarkeit und Transparenz. Für viele seriöse Betriebe ist das längst selbstverständlich.
„Zur Preisgestaltung ist festzuhalten, dass in unserem Betrieb seit über 20 Jahren – ich bin seit 2003 selbstständig – vollständige Transparenz herrscht. Sämtliche Preise sind jederzeit offen und nachvollziehbar auf unserer Homepage einsehbar. Transparenz war für uns stets selbstverständlich“, betont Mario Lo Conte. Die neue Meldepflicht bedeutet für solche Betriebe vor allem eines: zusätzliche Bürokratie.
Ein Aspekt, der in der Debatte oft untergeht: Die gestiegenen Anforderungen und damit auch die Kosten sind nicht von den Fahrschulen verursacht worden. Es war die Politik selbst, die über Jahre immer neue Vorgaben eingeführt hat – von zusätzlichen Sonderfahrten bis zu neuen Prüfungsinhalten wie Assistenzsystemen und Rekuperation bei E-Fahrzeugen.
„Die aktuelle politische Entscheidung wird nicht zu Ende gedacht“, fasst Mario Lo Conte zusammen. „Die Auswirkungen treffen nicht nur die Fahrschulen, sondern letztlich alle Beteiligten. Diese Entwicklung sorgt für großes Unverständnis.“
Mario Lo Conte erinnert sich an seine eigene Jugend: „Auch wir mussten früher für den Führerschein lernen und sparen. Viele von uns haben das Geld damals über Kommunion, Firmung, Geburtstage oder kleine Nebenjobs zusammengespart. Schade, dass das heute nur noch wenige so machen.“ Diese Eigeninitiative und Motivation seien früher selbstverständlich gewesen – und hätten den Wert des Führerscheins auch persönlich spürbar gemacht. Statt auf politische Reformen zu warten, könnte diese Haltung auch heute noch der bessere Weg sein.
Wer aktuell vor der Entscheidung steht, den Führerschein zu machen, befindet sich in einer unbefriedigenden Situation. Das Abwarten auf günstigere Konditionen kann sich als Trugschluss erweisen: Die Reform muss erst die Verkehrsministerkonferenz Ende März passieren, dann ein Gesetzgebungsverfahren durchlaufen – mit einem Inkrafttreten ist frühestens 2027 zu rechnen. Und ob die Änderungen tatsächlich zu spürbaren Einsparungen führen, ist keineswegs sicher.
Die bessere Strategie: Eine gute Fahrschule mit transparenten Preisen und qualifizierter Ausbildung wählen, sich gründlich vorbereiten und die Prüfungen möglichst beim ersten Anlauf bestehen. Das spart am Ende mehr als jede Reform.
Wer in der Ortenau eine Fahrschule mit Erfahrung, Transparenz und persönlicher Betreuung sucht, findet bei der Fahrschule Lo Conte einen verlässlichen Partner. Mit Ihren Standorten in Grafenhausen, zweimal in Lahr, Ettenheim und Friesenheim decken sie die südliche Ortenau gut ab. Alle Preise sind offen auf der Homepage einsehbar – seit über zwei Jahrzehnten selbstverständlich.