Klaus Huber: Von der Vorsicht und der wahren Demut
Drei neue Gedichte werfen einen kritischen und zugleich hoffnungsvollen Blick auf unsere Zeit
Ein Plädoyer für das eigene Denken
Oft neigen wir dazu, uns im Stillen zu halten, um Kritik zu vermeiden. Klaus Huber reflektiert in seinem Gedicht „Vorsichtsmaßnahme“ über diesen diplomatischen Rückzug und betont den Wert des bewahrten, eigenen Denkens:
Vorsichtsmaßnahme
Bislang schleicht man auf leisen Sohlen,
um nicht Kritik an s i c h zu holen,
denn nur im Stillen darf man denken,
wohin uns bewusst Schritte lenken,
die wir im Grund für richtig halten,
doch – diplomatisch – nicht entfalten.
Man sollte sie sich auch nach Jahren
als eigenes Denken aufbewahren
– bis die Erfahrung unseres Lebens
beweist: Dies war doch nicht vergebens.
Der schmerzhafte Blick auf die Welt
In „Tiefe Besorgnis“ verarbeitet der Lyriker die aktuelle Weltenlage. Wenn „brutale Mächte toben“, fällt der Blick nach oben oft schwer. Doch Huber warnt davor, die Hoffnung gänzlich aufzugeben:
Tiefe Besorgnis
Wir verzweifeln in den Tagen,
wenn wir kaum zu hoffen wagen,
dass das finstere Toben endet,
vieles sich zum Guten wendet,
wenn brutale Mächte toben.
Hilflos wirkt der Blick nach oben.
Frage klingt: Ist was zu retten,
was wir zu erwarten hätten?
Etwas bleibt für uns bestehen:
dass wir hoffentlich bald gehen.
Ist die Erwartung aufgegeben,
droht zu schwinden Lust am Leben.
Die Schönheit der Einfachheit
Zum Abschluss erinnert uns Klaus Huber daran, dass wahre Größe oft in der Bescheidenheit liegt. In einer Zeit der „Defilee-Kultur“, die Prunk und laute Gesten feiert, setzt er ein Zeichen für die leise Botschaft:
Schwere Zeit
Schwer hat es in dieser Zeit
vielfach doch die Einfachheit.
Erinnerung betont oft nur
Prunk und „Defilee-Kultur“,
welcher huldigt mancher Pracht,
die sich allzu wichtig macht.
Gesten, deutlich klar gesetzt,
werden vielfach mehr geschätzt,
wenn der Geber hier damit
in die zweite Reihe tritt,
sich selbst ganz bescheiden gibt,
nur, weil er die Botschaft liebt.
„DEMUT endet mit MUT !!“