30 Grad, pralle Sonne, der erste Sommer zu dritt. Marie packte die Sonnencreme ein - aber welche? Und ab wann? Und darf das Baby Wasser trinken? Klare Antworten auf die hÀufigsten Sommer-Fragen junger Eltern.
Marie stand im Drogeriemarkt und starrte auf ein Regal voller Sonnencremes. LSF 30, LSF 50, speziell fĂŒr Babys, mineralisch, chemisch, wasserfest, parfĂŒmfrei. Hinter ihr schrie ihr drei Monate alter Sohn Ben aus dem Kinderwagen. Neben ihr eine Ă€ltere Dame, die sagte: âLassen Sie das Kind ruhig ein bisschen Sonne abbekommen. Das brauchen die."
Marie griff nach irgendeiner Creme, legte sie wieder hin und rief Nadja an.
Nadja war das gewohnt. Der erste Sommer mit Baby bringt eine Flut von Unsicherheiten. Und zu viele gut gemeinte RatschlÀge von allen Seiten.
Sie nahm sich Zeit.
âBabys unter sechs Monaten gehören grundsĂ€tzlich nicht in direkte Sonne", sagte Nadja. âDie Haut ist noch so dĂŒnn, dass sie kaum Schutz bietet. Schatten, leichte Kleidung und eine MĂŒtze sind in diesem Alter die beste Sonnencreme."
Ab dem sechsten Monat empfiehlt Nadja ausschliesslich zertifizierte Naturkosmetik mit Zinkoxid als einzigem mineralischen UV-Filter - ohne chemische Filtersubstanzen, ohne Titandioxid, ohne ParfĂŒm, ohne Konservierungsmittel. Wer ganz auf der sicheren Seite sein möchte, schaut nach Produkten mit Naturkosmetik-Zertifizierung, etwa von Natrue, BDIH oder Demeter. Noch besser: Im Reformhaus oder Bio-Fachhandel gibt es speziell fĂŒr Babys entwickelte Sonnencremes auf rein pflanzlicher Basis, deren Inhaltsstoffe vollstĂ€ndig nachvollziehbar sind. LSF 50 oder höher - und grosszĂŒgig auftragen.
âUnd bitte: Nicht erst auftragen, wenn Ihr schon in der Sonne seid. Mindestens 20 Minuten vorher."
âDas ist eine der Fragen, die ich am hĂ€ufigsten höre", lĂ€chelte Nadja. âUnd die Antwort ĂŒberrascht viele: Gestillte Babys benötigen in den ersten sechs Monaten kein zusĂ€tzliches Wasser. Auch nicht im Sommer, auch nicht bei 35 Grad."
Muttermilch besteht zu ĂŒber 80 Prozent aus Wasser und passt sich dem Bedarf des Babys an. Wenn es heiss ist, will das Baby hĂ€ufiger trinken - und die Mutter produziert automatisch dĂŒnnere, wasserreichere Milch.
âBei Flaschenkindern kann man ab etwa dem vierten Monat in grosser Hitze kleine Mengen abgekochtes, abgekĂŒhltes Wasser anbieten. Aber nicht erzwingen."
Babys können ihre Körpertemperatur noch nicht gut regulieren. Zeichen, dass es dem Baby zu warm ist: feuchtes Haar, gerötete Haut, Unruhe, weniger nasse Windeln als sonst.
âKĂŒhle RĂ€ume, feuchte TĂŒcher an Handgelenken und Stirn, ruhiges Umfeld", sagte Nadja. âUnd wenn das Baby apathisch wirkt, kaum noch trinkt oder mehr als sechs Stunden keine nasse Windel hatte: sofort zum Arzt."
Nadja hatte klare Faustregeln:
Zeiten meiden: Zwischen 11 und 15 Uhr gehören Babys nicht in die Sonne - egal mit welchem Schutz.
Kleidung denken: Leichte, helle Baumwolle schĂŒtzt besser als jede Creme. Ein dĂŒnner Sonnenhut mit Nackenschutz ist Pflicht.
Kinderwagen ĂŒberdenken: Viele Kinderwagen heizen sich unter einer Decke dramatisch auf. Besser: Musselin-Tuch als Sichtschutz, der Luft durchlĂ€sst - und niemals eine normale Decke ĂŒber den Wagen hĂ€ngen.
Badewasser prĂŒfen: Bei Planschbecken im Garten die Wassertemperatur beachten. Zu kaltes Wasser schadet, zu warmes, stehendes Wasser wird zur Keimschleuder.
Marie rief Nadja von der Drogerie aus an und bekam klare Antworten. Sie legte die Sonnencreme zurĂŒck, kaufte eine mineralische mit LSF 50 und ein dĂŒnnes Musselincover fĂŒr den Kinderwagen.
Drei Stunden spÀter sass sie im Schatten des Gartens, Ben schlief im Wagen. Die Sonne wÀrmte den Nachmittag. Es war ihr erster echter Sommer-Moment als Mutter.
âIch dachte, ich muss das alles wissen", erzĂ€hlte sie Nadja danach. âAber ich musste nur wissen, wen ich fragen kann."
Hast Du Fragen zum ersten Sommer mit Baby? Ruf an, schreib eine Nachricht oder komm vorbei. DafĂŒr ist Deine Hebamme da - auch fĂŒr die Fragen, die vor dem Sonnencreme-Regal entstehen.
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