Der grenzüberschreitende Ostermarsch 2026 führte von der Friedenskirche Kehl über die Europabrücke bis zur Passerelle des Deux Rives. 17 Organisationen aus Deutschland und Frankreich setzten gemeinsam ein Zeichen für Abrüstung und Völkerrecht.
Knapp 400 Teilnehmende aus der Ortenau, dem Elsass und darüber hinaus folgten am Ostersamstag, 4. April 2026, dem Aufruf der DFG-VK Mittelbaden zum grenzüberschreitenden Ostermarsch von Kehl nach Strasbourg. Unter dem Motto „Nicht den Krieg, sondern den Frieden wollen wir gewinnen" zog ein bunter, friedlicher Demonstrationszug durch drei Kundgebungsorte und hielt seine Abschlusskundgebung auf der Grenzlinie über dem Rhein.
Als sich am Ostersamstag um 14 Uhr vor der evangelischen Friedenskirche am Kehler Marktplatz die ersten Transparente entrollten, war der Platz bereits gut gefüllt. Friedensfahnen in Regenbogenfarben, blaue Banner des französischen Mouvement de la Paix, rote Gewerkschaftsfahnen der CGT Grand-Est und von Ver.di Offenburg, Palästina-Flaggen und handgemalte Schilder mit dem einen Wort, das an diesem Nachmittag in allen Sprachen zu lesen war: Frieden. PACE. Paix.
17 Organisationen aus Deutschland und Frankreich trugen die Veranstaltung, darunter die Gewerkschaften CGT Grand-Est und Ver.di Offenburg, das Mouvement de la Paix Strasbourg, Pax Christi, die SDAJ, der Friedenskreis der französischen Mennoniten und die Fédération Internationale des Résistants (FIR) aus Berlin. Aus der Ortenau hatten sich die Friedensinitiative Ortenaukreis mit rund 80 Teilnehmenden angeschlossen, ebenso das Ortenau-Netzwerk e.V.
Die Auftaktkundgebung eröffnete der Kehler Gemeinderat Wolfgang Maelger (Projekt Kehl+), der die Bedeutung der deutsch-französischen Zusammenarbeit für den Frieden hervorhob. Lilly Gross, eine junge Aktivistin, sprach sich in einer engagierten Rede gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht und die zunehmende Rekrutierung Minderjähriger durch die Bundeswehr aus. Stefan Haacke vom Friedenskreis der französischen Mennoniten erläuterte die jahrhundertealte Tradition der gewaltfreien Konfliktlösung in den sogenannten „Kirchen des Friedens". Angèle Kiefer sprach für das Mouvement de la Paix, Stefan Walther stellte die Initiative „Wehrhaft ohne Waffen" vor, Helga Schmidt vertrat Pax Christi und Jana Schwab rundete das Programm ab. Musikalisch begleitete Gitarrist Falk Wöhler die Kundgebungen.
Nach der Auftaktkundgebung setzte sich der Demonstrationszug in Bewegung, begleitet von Fahrradpolizisten der Kehler Polizei. Über die Hauptstrasse und die Friedensstrasse, deren Name an diesem Nachmittag wie eine Bestätigung wirkte, ging es hinunter zum Rheinufer. An der Villa Schmidt, unweit der Europabrücke, legten die Teilnehmenden einen ersten Halt ein.
Dann ging es hoch auf die Europabrücke. Auf dem linken Gehweg überquerten die knapp 400 Demonstrierenden den Rhein. Auf der französischen Seite empfing die Chapelle de la Rencontre am Place de l'Hippodrome im Straßburger Quartier Port du Rhin die Teilnehmenden zur zweiten Kundgebung. Hier wechselte die Sprache ins Französische, die Botschaft blieb dieselbe.
Der weitere Weg führte durch den Jardin des Deux Rives am Rhein entlang bis zur Passerelle des Deux Rives, der eleganten Fussgängerbrücke, die seit 2004 Strasbourg und Kehl verbindet.
In der Mitte der Passerelle, genau über dem Rhein, genau auf der deutsch-französischen Grenzlinie, fand die Abschlusskundgebung statt. Ein symbolischerer Ort lässt sich kaum denken: Über dem Wasser, das jahrhundertelang trennte, standen knapp 400 Menschen und forderten gemeinsam das ein, was der Rhein in diesem Moment verkörperte - nicht Grenze, sondern Verbindung.
Insgesamt dauerte die Veranstaltung rund dreieinhalb Stunden. Die Polizei bestätigte am Ende: keinerlei Zwischenfälle. Lachende Gesichter, bunte Farben, Musik und friedliche Entschlossenheit prägten den Nachmittag.
Die Veranstalter formulierten klare Forderungen: sofortiger Waffenstillstand in den aktuellen Konflikten, keine Waffenlieferungen in Kriegsgebiete, Wiederherstellung des Völkerrechts als Grundlage zwischenstaatlicher Beziehungen und ein Ende der Militarisierung Europas. Die DFG-VK warnt vor den Folgen der sogenannten „Zeitenwende": Gigantische Aufrüstung, die Umstellung der Wirtschaft auf Kriegsproduktion und eine mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht seien keine Lösungen, sondern verschärften die Probleme - zulasten von Klimaschutz, Bildung, Gesundheit und Sozialem in den Kommunen.
| DFG-VK Mittelbaden | mittelbaden.dfg-vk.de | Ernst Rattinger, Tel. 0172-7154033 |
| Friedensinitiative Ortenaukreis | buerger.fuer.frieden@gmx.de |
| Ortenau-Netzwerk e.V. | ortenau-netzwerk.de |
Quelle: Eigene Berichterstattung / Andreas Peter Geng (vor Ort), Pressemitteilung DFG-VK Mittelbaden, Friedenskooperative.de. Stand: 5. April 2026. Fotos: Andreas Peter Geng, Önsbach.
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