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Das Geheimnis der Socarrat: Warum Spanier absichtlich Reis anbrennen lassen

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Das Geheimnis der Socarrat: Warum Spanier absichtlich Reis anbrennen lassen

 

Die knusprige Reiskruste am Pfannenboden gilt als Krönung jeder Paella – doch sie gelingt nur mit der richtigen Technik und Ausrüstung. Ein kleiner Leitfaden für das perfekte Socarrat.

Valencia, Sonntagnachmittag im März 2018. In der Huerta, dem fruchtbaren Gürtel um die Stadt, steht Rafael Martínez vor seiner Paellapfanne und tut etwas, das jeden deutschen Hobbykoch in Panik versetzen würde: Er lässt seinen Reis anbrennen. Absichtlich. Mit einem seligen Lächeln im Gesicht.

"Hörst du das?", fragt er und hält einen Finger in die Luft. Aus der Pfanne kommt ein leises Knistern, wie fernes Lagerfeuer. "Das ist die Musik der Socarrat. Wenn du das hörst, weißt du: Gleich ist es perfekt."

Socarrat. Für Valencianer ist dieses Wort fast heilig. Es bezeichnet die karamellisierte, knusprige Reiskruste, die sich am Boden einer richtig zubereiteten Paella bildet. Nicht verbrannt – verwandelt. Der Unterschied zwischen Desaster und Delikatesse liegt in etwa drei Minuten und einer Menge Erfahrung.

"Mein Vater hat mir beigebracht, die Pfanne zu lesen", erzählt Rafael, 62 Jahre alt und seit seiner Kindheit Paella-Koch. "Nicht das Rezept ist wichtig. Jeder kennt das Rezept. Wichtig ist, die Zeichen zu verstehen." Er deutet auf den Rand der Pfanne, wo sich der Reis leicht von der Oberfläche löst. "Siehst du? Der Reis zieht sich zusammen. Er sagt mir: Ich bin fast fertig."

Die Wissenschaft hinter der Socarrat ist faszinierend. Wenn der letzte Rest Flüssigkeit verdampft ist, beginnt die sogenannte Maillard-Reaktion: Zucker und Aminosäuren im Reis reagieren bei hoher Hitze und bilden hunderte von Aromastoffen. Das Ergebnis ist ein nussiger, leicht karamelliger Geschmack, der die gesamte Paella auf ein anderes Niveau hebt.

"Das Problem", sagt Rafael und schüttelt den Kopf, "ist, dass die meisten Ausländer Angst haben. Sie riechen den ersten Hauch von Röstaromen und reißen die Pfanne vom Feuer." Er lacht. "Dabei fängt der Zauber gerade erst an!"

Die Voraussetzungen für eine perfekte Socarrat beginnen lange vor dem kritischen Moment. Erstens: die richtige Pfanne. "Niemals antihaftbeschichtet", warnt Rafael. "Die Beschichtung verhindert genau das, was wir wollen – dass der Reis am Boden haftet und karamellisiert." Traditionell verwendet man polierte Stahlpfannen, die mit jedem Gebrauch besser werden. "Eine eingebrannte Paellapfanne ist wie ein alter Freund. Sie kennt dich, du kennst sie."

Zweitens: der richtige Reis. Rafael verwendet ausschließlich valencianischen Reis, entweder die Sorte Bomba oder Calasparra. "Diese Reissorten absorbieren viel Flüssigkeit, ohne zu zerfallen", erklärt er. "Und sie bilden diese wunderbare Kruste, wenn man sie lässt."

Drittens: die richtige Hitze. Hier wird es technisch. "Am Anfang braucht man starke, gleichmäßige Hitze", sagt Rafael. "Der Reis muss schnell die Brühe aufnehmen." Dafür eignen sich Gasbrenner besser als normale Herdplatten – die Hitze lässt sich präziser steuern und verteilt sich gleichmäßiger unter der großen Pfanne.

"Aber für die Socarrat", Rafael hebt den Zeigefinger, "muss man die Hitze am Ende erhöhen. Nicht gleichmäßig, sondern konzentriert in der Mitte." Bei professionellen Köchen oder ambitionierten Hobbyköchen kommen hier Mehrrringbrenner ins Spiel. "Mit einem 2-Ring oder 3-Ring-Brenner kannst du die Hitze genau dorthin lenken, wo du sie brauchst."

Der kritische Moment naht. Rafael hat die Brühe vor etwa 18 Minuten zum Reis gegeben. Der Reis ist fast gar, die Oberfläche beginnt auszutrocknen. "Jetzt", sagt er und dreht den Brenner auf Maximum, "jetzt machen wir Socarrat."

Zwei Minuten lang passiert scheinbar nichts. Dann beginnt es zu duften – ein Aroma zwischen gerösteten Nüssen und Karamell. Rafael neigt sein Ohr zur Pfanne. Das Knistern wird lauter. "Noch dreißig Sekunden", murmelt er. Die Spannung ist fast greifbar.

Dann nimmt er die Pfanne vom Feuer. "Perfekt." Er lässt sie fünf Minuten ruhen, bedeckt mit einem Geschirrtuch. "Die Socarrat muss sich setzen. Wenn du jetzt sofort isst, bricht sie."

Das Ergebnis ist spektakulär. Unter der lockeren, würzigen Reisschicht verbirgt sich eine goldbraune Kruste, die beim Abheben kracht wie frische Brotkruste. Der Geschmack? Intensiv, nussig, mit einer Tiefe, die der normale Reis nicht hat. "Das ist der Lohn für den Mut", grinst Rafael. "Wer Angst vor dem Anbrennen hat, bekommt nie eine Socarrat."

Seine Schwiegertochter Ana, aufgewachsen in Madrid, gibt zu: "Die ersten drei Jahre meiner Ehe habe ich die Paella immer zu früh vom Feuer genommen. Rafael hat höflich gegessen und geschwiegen." Sie lacht. "Irgendwann hat er mir dieses Geheimnis verraten: Wenn du denkst, es ist fertig, warte noch zwei Minuten. Wenn du denkst, es brennt an, warte noch eine."

Die Valencianische Kelle, mit der Rafael die Paella portioniert, ist speziell für diesen Moment gemacht: flach und breit, um die Socarrat-Stücke unbeschädigt zu lösen. "Mit einem normalen Löffel zerstörst du alles", erklärt er. "Die Kelle gleitet unter die Kruste und hebt sie heraus."

Am Tisch herrscht ein ungeschriebenes Gesetz: Die Socarrat wird geteilt. "In Valencia streitet man nicht um das Fleisch oder die Meeresfrüchte", sagt Rafael. "Man streitet um die Socarrat. Wer das größte Stück bekommt, hat gewonnen."

Sein Enkel Pablo, zwölf Jahre alt, hat bereits seinen eigenen Trick entwickelt: "Ich setze mich immer neben Abuelo. Er gibt mir heimlich das beste Stück." Rafael zwinkert. "Ein Großvater muss Prioritäten setzen."

Für Hobbyköche, die das perfekte Socarrat zu Hause versuchen wollen, hat Rafael einen letzten Rat: "Üben, üben, üben. Deine ersten drei Paellas werden entweder zu weich oder verbrannt sein. Das ist normal. Jede Pfanne ist anders, jeder Herd ist anders. Du musst lernen, deiner Pfanne zuzuhören."

Und wenn es doch mal anbrennt – richtig anbrennt, schwarz und bitter? Rafael zuckt die Schultern. "Dann machst du die Fenster auf, bestellst Pizza und versuchst es nächste Woche wieder. So haben wir alle angefangen."

Ob Rafael wirklich existiert? In Valencia sagt man: "Cada familia tiene su Rafael" – jede Familie hat ihren Rafael. Einen Onkel, Großvater oder Vater, der das Geheimnis der Socarrat hütet und weitergibt.

Was garantiert existiert: Bei www.der-spanien-shop.de findest du alles für dein perfektes Socarrat – original valencianischen Paella-Reis (Bomba und Rundkorn), polierte Stahlpfannen von 20cm bis 150cm, die mit jedem Gebrauch besser werden, Gasbrenner mit präziser Hitzekontrolle und die traditionellen valencianischen Kellen zum Portionieren. Denn das Geheimnis der Socarrat beginnt mit der richtigen Ausrüstung – den Mut musst du selbst mitbringen.

Socarrat – die Kunst, Reis anbrennen zu lassen (aber richtig).