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Die Friedenstaube von Achern

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Die Friedenstaube von Achern

 

Foto: © Andreas Peter Geng

Stille Beobachter: Tauben auf einem Dach an der Sasbacher Strasse in Achern. Was wie ein idyllisches Bild wirkt, zeigt in Wahrheit gestrandete Tiere - ohne Heimat, ohne Überlebensstrategie.

Wie ein kleiner Schwarm gestrandeter Tauben eine grosse Frage aufwirft - und was die Taubenhilfe Achern e.V. damit zu tun hat.

Sie ist das älteste Friedenssymbol der Menschheit. Sie trug dem Noah den Ölzweig. Picasso hat sie unsterblich gemacht. In der christlichen Tradition ist sie das Bild des Heiligen Geistes - rein, sanft, vertrauenswürdig. Und auf unseren Strassen? Dort heisst sie „Ratte der Lüfte", wird verjagt, vergiftet, ignoriert. Kaum ein Tier vereint so viel Widerspruch in sich wie die Taube. In Achern bekommt dieser Widerspruch gerade ein Gesicht - genauer gesagt: etwa zwanzig Gesichter, die auf dem Pflaster an der Kreuzung Sasbacher Strasse/Goethestrasse sitzen und warten.

Teil 1: Ein Tier, das wir vergessen haben

Die Geschichte der Taube als Haustier reicht rund 5.000 Jahre zurück. Die Felsentaube (Columba livia) wurde im Vorderen Orient als eines der ersten Haustiere überhaupt domestiziert - lange vor Hund und Katze. Im alten Ägypten war sie Opfertier und Nahrungsquelle. Die Römer nutzten sie als Briefboten über Hunderte von Kilometern. Im Mittelalter überbrachten Tauben Handelsnachrichten zwischen europäischen Städten. Ihr Kot galt jahrhundertelang als wertvoller Dünger, mit Silber aufgewogen. Im Ersten Weltkrieg rettete die Brieftaube „Cher Ami" ein eingeschlossenes US-Bataillon, indem sie trotz schwerer Verwundung eine Nachricht über 40 Kilometer überbrachte - ausgezeichnet mit dem französischen Croix de Guerre.

Dann, irgendwann im Wirtschaftswunder, verlor die Taube ihren Nutzen. Sie blieb einfach da. Auf den Dächern, in den Bahnhöfen, auf den Marktplätzen - und wurde zur „Ratte der Lüfte" degradiert. Das Vorurteil sitzt tief und wird, wie Mitglieder der Taubenhilfe Achern berichten, bis heute von Generation zu Generation weitergegeben.

Dabei ist der Denkfehler verblüffend einfach aufzudecken: Stadttauben sind keine Wildvögel, die sich ungebeten in unsere Städte drängen. Sie sind die Nachkommen von Tieren, die der Mensch gezüchtet, genutzt - und dann sich selbst überlassen hat.

Teil 2: Warum Stadttauben auf uns angewiesen sind

„Stadttauben sind verwilderte Haustiere - keine Wildvögel." - Silke Fischer, Gründungsmitglied Taubenhilfe Achern e.V.

Die Tauben in unseren Städten tragen die genetischen Eigenschaften der Tiere, auf die der Mensch sie über Jahrtausende selektiert hat: Standorttreue, Heimfindungsvermögen, ganzjährige Brutbereitschaft. Genau diese Eigenschaften werden ihnen in der freien Stadt zum Verhängnis.

Der sogenannte Brutzwang - die Fähigkeit, das ganze Jahr über Eier zu legen, nicht nur in der natürlichen Brutzeit - führt dazu, dass Tauben selbst unter schwierigen Bedingungen weiter brüten. Bei Nahrungsknappheit kommt es zur „Stressbrut": Die Tiere legen noch häufiger, weil der biologische Druck steigt. Fütterungsverbote ohne begleitende Bestandsregulierung bewirken also das Gegenteil von dem, was sie sollen.

„Wenn man sie vertreibt, verjüngt sich der Bestand und explodiert erst recht." - Silke Fischer

Brieftauben wurden auf Heimfindung konditioniert. Verlieren sie ihren Schlag - weil der Züchter aufgibt, weil sie sich verfliegen, weil ein Greifvogel sie vom Weg abgebracht hat -, irren sie orientierungslos durch die Stadt. Sie können nicht wie eine Amsel oder ein Spatz selbstständig Nahrung suchen. Ein ausgesetzter Hund überlebt im Wald auch nicht „einfach so". Bei Tauben stellen wir genau das still und heimlich voraus.

Was die Wissenschaft sagt

Übertragung von Krankheiten: Das Bundesgesundheitsamt stellte bereits 1994 in einem Merkblatt fest: Das Risiko einer menschlichen Infektion durch Kontakt mit freilebenden Tauben ist im Allgemeinen nicht höher einzuschätzen als das Risiko durch den Kontakt mit Zuchttauben oder Heimvögeln. Laut Robert Koch-Institut gab es in einem Zehnjahreszeitraum bundesweit lediglich zwei nachgewiesene Fälle von Ornithose durch Tauben.

Gebäudeschäden: Der Prüfbericht Nr. 195.04 der TU Darmstadt vom 26. August 2004 untersuchte den Einfluss von Taubenkot auf die Oberfläche von Baustoffen und kam zum Ergebnis: Eine nachweisliche Materialschädigung durch Taubenkot ist wissenschaftlich nicht belegbar.

Ratten: Ratten sind nachtaktiv und ernähren sich unabhängig von Taubenfutter. Sie werden durch offene Mülltonnen, Komposthaufen und menschliche Essensreste angelockt - nicht durch kontrollierte Futterstellen.

Quellen: Bundesgesundheitsamt Merkblatt April 1994; TU Darmstadt Prüfbericht Nr. 195.04, 26.08.2004; RKI Ornithose-Daten

Teil 3: Die Taubenhilfe Achern - Ehrenamt mit Konsequenz

Am 22. Februar 2022 wurde die Taubenhilfe Achern e.V. gegründet. Heute zählt der Verein 27 Mitglieder. Stellvertretender Vorsitzender ist Ulrich Rudi Mahlich. Gründungsmitglied und erste Ansprechpartnerin ist Silke Fischer aus Waldulm. Schlagleiterin ist Marion Tennhard. Was dieses ehrenamtliche Kernteam leistet, ist bemerkenswert - in ihrer Freizeit, auf eigene Kosten, oft gegen Widerstände.

Taubenhilfe Achern

Foto: © Andreas Peter Geng

Silke Fischer, Ulrich Mahlich und Marion Tennhard (v.l.n.r.) vom Vorstand der Taubenhilfe Achern e.V. vor dem Stadthaus Achern nach dem klärenden Gespräch mit der Stadtverwaltung am 18. Mai 2026.

Die Erfolge des Vereins sprechen für sich. In den Jahren 2021 und 2022 gelang es der Taubenhilfe, mehrere Hundert Tauben aus der Acherner Innenstadt schrittweise in den Stadtgarten umzusiedeln. Die Methode: eine mobile Futterschale, die Tag für Tag ein Stück weiterversetzt wird. Die Tiere folgen dem Futter - Haus für Haus, Strasse für Strasse, Woche für Woche. Das Ergebnis: Die Innenstadt war weitgehend taubenfrei, die Tiere hatten einen betreuten Standort, und kein einziges Tier musste zu Schaden kommen.

Anfang 2024 rettete der Verein auf der Illenauer Grossbaustelle eingeschlossene Tauben, nachdem ein Schädlingsbekämpfer den Auftrag zuvor abgelehnt hatte. Die Ehrenamtlichen fingen die Tiere teils nachts auf der aktiven Baustelle ein - im Auftrag der Stadtverwaltung. Anfang 2025 folgte eine weitere erfolgreiche Umsiedlung, bei der Anwohner ausdrücklich positive Rückmeldungen gaben.

Die einzig tierschutzkonforme Methode der Bestandsregulierung ist dabei stets dieselbe: der Eiertausch. Echte Eier werden in betreuten Schlägen gegen Plastikattrappen ausgetauscht. Die Tiere brüten geduldig auf Dummeiern, ohne dass Nachwuchs schlüpft. Die Population sinkt - nachhaltig, ohne Stress, ohne Leid.

„Die Tiere brauchen nur ein paar Wochen Ruhe - dann seien sie weg. Kein teures Programm, kein grosses Konzept. Eine wandernde Futterschale und Menschen, die täglich kommen." - Marion Tennhard, Schlagleiterin

Teil 4: Zwanzig Tauben und ein Nachbarschaftskonflikt

Ende April 2026 liessen sich rund zwanzig Tauben an der Kreuzung Sasbacher Strasse/Goethestrasse nieder. Silke Fischer erkannte schnell: nach ihrer Einschätzung handelt es sich mutmasslich um ausgesetzte oder verflogene Zucht- oder Brieftauben - hilflos, standorttreu, konditioniert auf menschliche Fürsorge. Der Verein begann sofort mit der bewährten Methode: Futterschale aufstellen, Hinweisschild anbringen, Anwohner per Flyer informieren, schrittweise Umsiedlung in den Stadtgarten einleiten.

Dann verschwand die Futterschale. Das Begleitmaterial des Vereins tauchte in der Mülltonne eines Anwohners auf. Eine Anzeige wurde gestellt. Die Polizei prüfte und sah keine Rechtsgrundlage für ein Vorgehen gegen den Verein. Parallel gingen beim Ordnungsamt Beschwerden ein - Rattengefahr, Hygiene, Rutschgefahr. Am 8. Mai 2026 erging die Anweisung: Fütterung einstellen, die Ausnahmegenehmigung vorsorglich zurückgenommen.

„Es lagen der Stadtverwaltung zu diesem Zeitpunkt kaum fundierte Informationen vor." - Stadt Achern

Teil 5: „Ich verstehe das Problem gar nicht"

Hans-Peter Wiegert, Inhaber der Fahrschule Wiegert an der Sasbacher Strasse 12, hat sein Büro direkt gegenüber der Futterstelle. Weder für seinen Betrieb noch für seine Fahrschüler sei eine spürbare Beeinträchtigung entstanden, sagt er. Beschwerden aus seiner direkten Nachbarschaft seien ihm in dieser Sache nicht bekannt.

Hans-Peter Wiegert

Foto: © Andreas Peter Geng

Hans-Peter Wiegert, Inhaber der Fahrschule Wiegert an der Sasbacher Strasse, hat die Tauben direkt vor seinem Betrieb - und sieht darin kein Problem.

„Ich verstehe das Problem gar nicht." - Hans-Peter Wiegert, Fahrschule Wiegert

Auch Kinder aus dem Umfeld helfen bei den täglichen Fütterungen gelegentlich mit - ohne dass jemand daran Anstoss nimmt. Der Gewerbetreibende, dessen Betrieb der Situation am nächsten liegt, bleibt gelassen. Diese Gelassenheit ist ein stilles Plädoyer.

Teil 6: Woher kommen diese Tiere? Die Züchterperspektive

Bleibt die Frage: Woher kommen gestrandete Stadttauben überhaupt? Eine Antwort, die sich nicht in einfache Lager einordnen lässt, gibt Petra Burr. Die Brieftaubenhalterin aus dem Grossraum München ist ehrenamtliche Meldestelle für gestrandete Brief- und Zuchttauben und administriert zwei Online-Gruppen, in denen Fundtiere aus halb Europa registriert und zurückvermittelt werden. Sie ist Mitglied eines Kleintierzuchtvereins, aber bewusst keinem Verband verpflichtet - um, wie sie sagt, unabhängig agieren zu können.

Burr widerspricht dem verbreiteten Bild, Züchter setzten Tiere massenhaft aus. Bewusstes Aussetzen sei die Ausnahme. In der seriösen Brieftaubenzucht stecke erheblicher finanzieller und emotionaler Aufwand - niemand opfere ohne Grund ein gutes Tier. Die Mehrzahl gestrandeter Brieftauben sei durch Greifvogelangriffe, Erschöpfung oder Orientierungsverlust vom Heimweg abgekommen. Auf langen Wettkampfstrecken kehren bis zu 70 bis 80 Prozent der Tiere nicht zurück - ein Verlust, mit dem Züchter leben müssen.

Die heutigen Stadttauben-Populationen führt Burr zu einem Grossteil auf den Zweiten Weltkrieg zurück, als unzählige Haustauben aus zerstörten Schlägen entkamen. Anders verhält es sich bei Spiel-, Hochflug- oder Fleischtauben, die teils nicht beringt gehalten werden und über kein klassisches Heimfindevermögen verfügen. Hier komme es gelegentlich zu Aussetzungen, häufig durch Halter, die mit Pflege oder Kosten überfordert seien. Ein strukturelles Problem: Für die private Taubenhaltung gibt es in Deutschland weder eine Registrierungs- noch eine Erlaubnispflicht. Wer Tauben hält, muss dies niemandem melden.

„Zu mir hat noch kein Brieftaubenzüchter gesagt: Mach sie weg." - Petra Burr, ehrenamtliche Brieftauben-Meldestelle

Was fehle, sei mehr Wissen über die unterschiedlichen Taubenarten - und mehr Bereitschaft, miteinander zu sprechen statt übereinander.

Teil 7: Was das Recht sagt

Juristisch betreten Stadt und Verein in Achern kein unbeschriebenes Gebiet. Der Rechtsanwalt Dr. Eisenhart von Loeper, ausgewiesener Experte für Tierschutzrecht, hat die Lage 2021 in einer umfassenden Abhandlung zusammengefasst. Sein Ausgangspunkt: ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 26. April 2018 (Az. 3 C 24/16), nach dem Stadttauben als Nachkommen ausgesetzter oder verflogener Haustauben rechtlich dem Fundrecht unterliegen. Daraus folgt nach von Loepers Auslegung, dass Kommunen für diese Tiere eine tierschutzrechtliche Mitverantwortung tragen. Ein blosses Fütterungsverbot ohne gleichzeitige Versorgungsalternative sei vor diesem Hintergrund kaum tragfähig. Ein Verwaltungsgericht in Schwerin hatte 2020 zudem festgestellt, dass Tauben nicht als Gesundheitsschädlinge im Sinne des Infektionsschutzgesetzes einzustufen seien.

Seit 2002 hat der Tierschutz Verfassungsrang. Artikel 20a des Grundgesetzes verpflichtet den Staat, Tiere als Mitgeschöpfe zu schützen.

Die Stadt Achern bewegt sich in einem klar geregelten Rahmen: Nach § 8 Absatz 3 der städtischen Polizeiverordnung ist das Füttern von Tauben grundsätzlich untersagt, § 13 lässt in begründeten Einzelfällen Ausnahmen zu. Auf dieser Grundlage hatte die Taubenhilfe ihre Ausnahmegenehmigung erhalten - und auf dieser Grundlage wurde sie am 8. Mai 2026 vorsorglich widerrufen, bevor sie nach dem gemeinsamen Gespräch wieder erteilt wurde.

Auch das Veterinäramt des Ortenaukreises ist eingebunden. Amtstierarzt Dr. Martin Straube vom Veterinäramt Ortenaukreis bezeichnet den Konflikt zwischen Tierschutz und Anwohnerinteressen als grosse Herausforderung und benennt den Weg nach vorne klar:

„Einvernehmliche Lösungen zu finden ist für die dauerhafte Befriedung des Mensch-Tier-Problems auf jeden Fall anzustreben." - Dr. Martin Straube, Amtstierarzt Veterinäramt Ortenaukreis

Teil 8: Das Augsburger Modell - wie nachhaltige Lösung aussieht

Die Stadt Augsburg gilt als Pionierin im kommunalen Taubenmanagement. Das nach ihr benannte „Augsburger Modell" basiert auf betreuten Taubenschlägen: Die Tiere werden artgerecht gefüttert, echte Eier werden gegen Attrappen getauscht. Die Population sinkt nachhaltig - ohne Leid, ohne Vergiftung, ohne Vertreibung. Augsburg betreibt heute über zehn solcher Schläge und zwei Taubentürme. Das Modell gilt als tierschutzrechtlich einwandfrei, wissenschaftlich anerkannt und wird von der Landesbeauftragten für Tierschutz empfohlen. Städte wie Rottweil, Freiburg und Aachen betreiben kommunal finanzierte Schläge nach ähnlichem Prinzip.

In Achern gibt es bislang kein städtisches Gesamtkonzept zum Taubenmanagement. Die Verwaltung verweist auf den betreuten Bereich im Stadtgarten, durch den die Tiere bereits heute gelenkt und ihre Bestände reguliert würden. Ob der aktuelle Fall Anlass sein kann, daraus ein umfassenderes Konzept zu entwickeln, lässt die Stadt offen. Es wäre eine Investition, die sich rechnet - in bares Geld, in Lebensqualität und in das Vertrauen zwischen Verwaltung, Vereinen und Bürgerinnen und Bürgern.

Teil 9: Die Einigung - und was danach kam

Am 18. Mai 2026 sassen Vertreter der Taubenhilfe und der Stadtverwaltung an einem Tisch. Das Ergebnis, das die Stadt einen Tag später öffentlich machte, ist ein Kompromiss, der allen Beteiligten Bewegungsspielraum lässt: Die kontrollierte Umsiedlung ist genehmigt. Eine mobile Futterschale wandert in den kommenden rund sechs Wochen über Goethestrasse und Lindenbrunnenstrasse bis in den Stadtgarten. Dort versorgt der Verein die Population dauerhaft und reguliert sie tierschutzkonform über den Eiertausch. Die Ausnahmegenehmigung gilt bis 31. Dezember 2026. Ausdrücklich appelliert die Stadt an die Bevölkerung, die Futterstellen weder zu entfernen noch zu beschädigen.

„Ziel sei es, den Dialog weiterhin offen und sachlich zu führen, um eine nachhaltige und für alle Seiten tragbare Lösung zu erreichen." - Claudia Männle, Leiterin Öffentlichkeitsarbeit Stadt Achern

Dass der Weg dahin kein gerader ist, zeigte sich noch während der Berichterstattung. Am 20. Mai meldete Silke Fischer, dass erneut Futter weggefegt und mit anwaltlichem Vorgehen gedroht worden sei. Die Umsiedlung, gemessen am Tempo der Tiere, wäre da längst in Bewegung.

Teil 10: Faszination Taube - unterschätzte Fähigkeiten

Wer Tauben für schlichtes Getier hält, den belehrt die Wissenschaft eines Besseren.

Was Tauben können - und was Sie nicht wussten

Gedächtnis: Tauben erkennen menschliche Gesichter zuverlässig wieder und können über 1.800 verschiedene Bilder im Gedächtnis behalten.

Medizin: In Experimenten an der University of California, Davis erkannten trainierte Tauben Krebsgewebe in histologischen Proben mit einer Genauigkeit von 99 Prozent.

Kropfmilch: Tauben produzieren eine nährstoffreiche Milch in ihrem Kropf zur Aufzucht der Küken. Diese Fähigkeit teilen sie weltweit nur mit Flamingos und männlichen Kaiserpinguinen.

Treue: Taubenpaare sind lebenslang monogam. Brut und Aufzucht teilen sie gleichberechtigt.

Symbol: In der christlichen Überlieferung ist die Taube das Bild des Heiligen Geistes - Sinnbild für Reinheit, Frieden und Neuanfang. Eine bemerkenswerte Ironie: Das Tier, das wir auf unseren Strassen verachten, verehren wir in unseren Kirchen.

Teil 11: Was Sie tun können

Die Taubenhilfe Achern e.V. zeigt, wie viel ehrenamtliches Engagement bewirken kann. 27 Mitglieder, bescheidene Mittel, unzählige Stunden Freiwilligenarbeit. Und doch: Die Herausforderungen wachsen. Jede Umsiedlung kostet Zeit, Nerven und Geld für Futter, Schläge und tierärztliche Versorgung.

Tierschutz ist kein Nischenthema. Er ist ein Baustein des Gemeinwohls - verankert seit 2002 im Grundgesetz. Wer sich einbringen möchte, findet bei der Taubenhilfe Achern eine Gemeinschaft, die Taten vor Worte stellt.

Taubenhilfe Achern e.V. Goethestrasse 30, 77855 Achern
E-Mail info@taubenhilfe-achern.de
Instagram @taubenhilfe_achern
Facebook Taubenhilfe Achern e.V.
Spendenkonto IBAN: DE41 6645 0050 0004 9759 10 | Sparkasse Offenburg-Ortenau

Epilog

aus der Acher-Rench-Zeitung

Die Friedenstaube ist seit Jahrtausenden ein Symbol für Hoffnung. In der Bibel bringt sie den Ölzweig - das Zeichen, dass das Wasser fällt und Leben möglich ist. Der Heilige Geist erscheint in ihrer Gestalt: still, ohne Aufsehen, und doch von grosser Wirkung.

In Achern braucht es keinen Ölzweig. Nur eine wandernde Futterschale, ein paar Menschen, die täglich kommen, und eine Verwaltung, die am Ende bereit war, zuzuhören.

Die Umsiedlung hat begonnen.

Quellen (Primär): Silke Fischer, Taubenhilfe Achern - Telefonat 14.05.2026, Band 18.05.2026 | Ulrich Mahlich, stv. Vorsitzender Taubenhilfe Achern - Band 18.05.2026 | Marion Tennhard, Schlagleiterin Taubenhilfe Achern - Band 18.05.2026 | Hans-Peter Wiegert, Fahrschule Wiegert - Band 18.05.2026 | Petra Burr, ehrenamtliche Brieftauben-Meldestelle, Grossraum München - Telefonat 18.05.2026 | Claudia Männle, Stabsstelle OB Stadt Achern - PM 19.05.2026, E-Mail 20.05.2026 | Dr. Martin Straube, Amtstierarzt Veterinäramt Ortenaukreis - E-Mail 19.05.2026 | Dr. Eisenhart von Loeper, Juristische Abhandlung Tierschutzrecht Tauben, 13.01.2021 | BVerwG Az. 3 C 24/16 (26.04.2018) | VG Schwerin 24.09.2020

Quellen (Sekundär): Bundesgesundheitsamt Merkblatt April 1994 | TU Darmstadt Prüfbericht Nr. 195.04, 26.08.2004 | RKI Ornithose-Daten | Erna-Graff-Stiftung für Tierschutz

Von Andreas Peter Geng | © regio-ortenau.de