Bildnachweis: Ki generiert
Lea hatte Monate auf diesen Tag hingefiebert. Und dann stand sie am Kita-Tor, ihr Kind winkte nicht zurĂĽck, und sie weinte auf dem Parkplatz.
Lea hatte sich diesen Moment so vorgestellt: Emma betritt die Kita, dreht sich ein letztes Mal um, winkt mit einem strahlenden Lächeln. Lea winkt zurück, atmet tief durch und geht, leichten Herzens, ein bisschen traurig, aber froh.
So war es nicht.
Emma war einfach hineingegangen. Ohne Zögern, ohne Winken, ohne letzten Blick. Eine Erzieherin hatte ihre Hand genommen und schon war sie weg. In dieser bunten, lauten, fremden Welt.
Lea stand am Tor und wartete auf Emmas letzten Blick.
Der kam nicht.
Sie weinte auf dem Parkplatz.
„Alle reden über die Trennungsangst der Kinder“, erzählte Lea beim nächsten Besuch bei Nadja. „Aber niemand hat mir gesagt, dass ich derjenige bin, der nicht loslassen kann.“
Nadja lächelte verständnisvoll. „Das ist eines der bestgehüteten Geheimnisse der frühen Elternzeit. Die Kinder gehen oft viel leichter, als wir es tun. Und wir stehen da und fragen uns: Braucht sie mich überhaupt noch?“
„Genau das“, sagte Lea leise.
Nadja wählte ihre Worte sorgfältig: „Weisst Du, was Emmas Leichtigkeit am Kita-Tor bedeutet? Es bedeutet, dass sie sicher ist. Dass sie vertraut. Dass sie in den ersten anderthalb Jahren so viel Geborgenheit erfahren hat, dass sie die Welt neugierig betreten kann, ohne Angst.“
Sie lehnte sich vor. „Das ist nicht Gleichgültigkeit. Das ist das Gegenteil. Emma geht los, weil Du ihr das Fundament gegeben hast. Du bist der sichere Hafen, von dem aus sie aufbricht.“
Lea schwieg einen Moment. „Das klingt schön. Es fühlt sich trotzdem komisch an.“
„Das darf es“, sagte Nadja. „Beides ist wahr gleichzeitig.“
Der Kita-Start ist nicht nur für das Kind ein Übergang. Er ist auch für die Mutter eine Zäsur. Plötzlich gibt es Zeit, zwei, drei, vier Stunden, die nur ihr gehören. Nach Monaten, in denen jede Minute mit einem anderen Menschen geteilt wurde.
Und viele MĂĽtter wissen erst in diesem Moment nicht, was sie damit anfangen sollen.
„Ich sass im Café und hatte ein schlechtes Gewissen“, erzählte Lea. „Weil ich den Kaffee genossen habe.“
Nadja schüttelte den Kopf. „Das schlechte Gewissen darfst Du stehen lassen. Schreib es auf einen Zettel, leg ihn in eine Schublade und mach die zu. Du darfst Deinen Kaffee geniessen. Du darfst atmen. Du darfst wieder Du sein.“
Nicht alle Kinder gehen so leicht wie Emma. Manche weinen, klammern sich fest, rufen nach Mama. Auch das ist normal, und auch das geht vorbei.
Nadjas Rat für die schwierigeren Abschiede: Kurz und klar verabschieden, nicht schleichen. Dem Kind sagen, wann man wiederkommt, in Bildern, nicht in Uhrzeiten. „Nach dem Mittagessen hole ich Dich ab.“ Und dann gehen, auch wenn es wehtut. Denn das lange Zögern macht es für das Kind schwerer, nicht leichter.
„Die Erzieherinnen wissen, was sie tun“, sagte Nadja. „Vertrau ihnen. Und ruf ruhig nach zwanzig Minuten an, wenn Du Dich sorgst. Die meisten Kinder hören auf zu weinen, bevor die Mutter die Strasse verlassen hat.“
Emma rannte jeden Morgen zur Kita-Tür. Sie nannte ihre Erzieherin „meine Jana“ und erzählte abends von Kindern, deren Namen Lea sich nicht merken konnte.
Und Lea? Lea trank ihren Kaffee. Ohne schlechtes Gewissen.
Fast.
„Es wird ein bisschen bleiben“, sagte sie zu Nadja. „Dieses Gefühl.“
Nadja nickte. „Das ist Liebe. Die hört nicht auf, nur weil das Kind die Kita-Tür durchgeht.“
Steht bei Euch der erste Kita-Start bevor? Du bist nicht allein mit diesem Gefühl am Parkplatz. Kein bisschen. Sprich darüber, mit anderen Müttern, mit Deiner Hebamme, mit Dir selbst. Loslassen ist keine Schwäche. Es ist das Mutigste, was Liebe tun kann.
| Hebamme | PLATZHALTER Name der Hebamme |
| Telefon | PLATZHALTER Telefonnummer |
| PLATZHALTER E-Mail-Adresse | |
| Website | PLATZHALTER Website |
Text: apg